Über die Fortpflanzung des Velozipeds

7. Mai 2010

Das Veloziped (Birota vehiculum), im Volksmund „Fahrrad“ genannt, ist ein Rädertier aus der Familie der Drahtesel. Mittlerweile sind Velozipeds Kulturfolger und siedeln sich hauptsächlich immer in der Nähe von Hominiden an, wobei kaum Konkurrenzkämpfe entstehen. Zwischen einigen Individuen beider Familien wurden sogar schon symbiontisch anmutende interspezifische Beziehungen beobachtet, deren ethologische Erschließung jedoch erst in den Kinderschuhen steckt.

 

Das uns nur scheinbar so bekannte Veloziped birgt in seiner Biologie noch viele Geheimnisse. Hier ein kapitaler Vierender.

Jedoch ist das Veloziped eine der wenigen Arten, deren Fortpflanzung und Sexualverhalten vor dem Sozialverhalten vollständig beschrieben wurde: Die Larven der Velozipede werden trivial auch als „Dreiräder“ bezeichnet, welche, wie auch die vollständig entwickelten Imagines, von Menschen intensiv symbiontisiert werden. Neueste Aufsätze aus der Fachwelt  schreiben von einer hauptsächlichen Vergesellschaftung der Dreiräder durch juvenile bis subadulte Menschenaffen. Wenn in schlechten Jahren eine Generation ausbleibt und ein Mangel an Symbiosepartnern herrscht, kommt es bei den Junghominiden innerhalb der komplexen Sozialstrukturen zu heftigen Konflikten, welche sich auf die somit rar gewordenen Velozipednymphen beziehen. Mitunter arten diese Auseinandersetzungen in kannibalischem Verhalten und somit auch in abgerissenen Gliedmaßen aus. Je häufiger solche schicksalhaften Male bei den Homini vorkommen, desto höher steigen diese im Rang auf. Zurück zum Thema:

Da es sich bei den Velozipeden um hemimetabole Drahtesel handelt, also welche, die sich nur in einer unvollständigen Metamorphose zum geschlechtsreifen Imago entwickeln, kann ein fließender Übergang zwischen den Nymphenstadien beobachtet werden: Schon kurz nach der Geburt entwickelt sich in der Mitte der Hinterachse eine Anlage für ein mittleres, drittes Rad.  Innerhalb der bis zu 7 Häutungszyklen (die Ausprägung zusätzlicher Stadien ist ressourcenbedingt) wird dieses „mittlere Hinterrad“ immer größer und Wächst zu einem stattlichen, voll ausgebildeten Metallspeichenrad an. Jenes, und das hierzu konstant mitwachsende Vorderrad, können bei einem adulten Tier einen Durchmesser von bis zu 27“ erreichen, was jedoch nur bei der Steppen und Flachland liebenden Form voll ausgeprägt ist („Rennrad„).

Zunächst wachsen jedoch auch die äußeren Räder der Hinterachse äquivalent zum frontalen beziehungsweise periphären Rad mit. Dadurch kommen subadulte Velozipede zu dem unsagbaren Vorteil unter stützender Funktion dieser Außenräder das Vorwärtskommen birotar zu erlernen. Außen-/Stützräder wären jedoch bei Imagines zu hinderlich und würden eine schnelle Fortbewegung nahezu unmöglich machen. Daher werden unter normalen Umständen nach ungefähr der Hälfte aller proimaginalen Stadien Hemmstoffe ausgesandt, die aus einer Drüse unterhalb des Sattels stammen und eine weiteres Wachstum der Außenräder verhindern. Dieser Aussendung folgend ist eine Entwicklung von Ganglien, die den Stützrädern eine immer höhere Autonomie vom Rest des gesamten Organismus gestatten. Im Zuge der letzten Ecdysis entstehen innerhalb der  marginal gelegenen Räder ein weitestgehend unabhängiges Kreislaufsystem mit voll entwickelten Nervenbahnen und -zentren an beiden Achsnaben. Kurz vor der Aushärtung des Exoskeletts wird die Verbindung zwischen Stütz- und Abdominalrad gekappt und drei (!) vollkommen selbstständige Organismen beginnen zu entstehen.

 

In seltenen Fällen kann es zu einem Ausbleiben der Metamorphose kommen und die Dreiräder führen ihr Leben neotenisch als Dauerlarve fort; selbst hierbei wird jedoch keineswegs im fortschreitenden Alter auf eine Symbiose verzichtet.

Die nun selbstständigen Stützräder währen ihr Leben nun als „Einräder“ fort, gefangene Exemplare hatten jedoch keine erkennbar ausgebildeten Geschlechtsorgane und sind somit der Paarung unfähig gewesen. Daher stellt die Entwicklung jener Tiere immer noch ein großes ungelöstes Rätsel dar. Experten meinen, dass es sich bei Einrädern sogar um soziale Rädertierchen handeln könne, die sich änhlich wie Insektenvölker organisieren. Begründet wird diese Meinung damit, dass man bisher nur Individuen aus einer eventuellen Arbeiterkaste habe fangen können. Unter Einbezug des gesunden Menschenverstandes kann diese, kaum tragbar anmutende Hypothese sorglos in die Sparte der Kryptozoologie bewegt werden, dennoch sollte man sich vor den noch unentdeckten Wundern der Natur in Acht nehmen!

Einräder verbringen aufgrund ihres kompakten Körperbaus ein sehr verstecktes Leben im dichten Unterholz und können daher nur in extrem seltenen Fällen von Menschen domestiziert werden, gelten also daher als eher unbeliebte Partner, zumal, im Gegensatz zu den äußerst friedfertigen Imagines der Velozipeden, überhaupt eine „Zähmung“ von Nöten ist. Aufgrund dieser versteckten Lebensweise, die gemeinhin in dicht bewaldeten Gebieten geführt wird, ist auch über den genauen Verbleib und die Ernährung kaum etwas bekannt.

 

Das seltene Bild eines gezähmten Einrades, welches sich zusätzlich noch auf einer Freifläche reiten lässt.

Kommen wir nun zum Paarungsverhalten der Velozipede.

Die Paarung und die ihr vorausgehende Balz, welche jedoch recht pragmatisch ausfällt, werden beim besten Willen immer unter Ausschluss des unzumutbaren Symbiosepartners gehalten. Hierbei wird nur gering auf die Wahl des richtigen Partners geachtet und das Weibchen übt einen kaum spürbaren Selektionsdruck aus, da es sich schon von recht einfach gehaltenen Wheelies beeindrucken lässt. Der Akt selber ist im Stile des „furniture porn“ gehalten und wird unter Einbezug einer komplexen Abfolge von Positionen meist des Nächtens auf offenen Flächen praktiziert. Die Vereinigung dauert bis zu 30 Minuten.

Darauf folgend fahren beide Individuen erneut getrennte wieder und geben sich weiteren solcher Exzessen hin. Etwa 8 Wochen später sammeln sich die Weibchen an speziell vom Symbiosepartner gestellten Geburtskrippen („Fahrradständer“), welche ihnen bei dem, durch die breite Hinterachse junger Velozipede, recht schmerzhaften Geburtsvorgang eine überlebensnotwendige, aufrechte Haltung ermöglichen. Da Velozipede ovovivipar sind, kommen die Dreiräder in einer Eihülle zur Welt, welche von der Velozipedmutter mit dem mächtigen Lenkergeweih aufgerissen und anschließend Verzehrt wird, was unter anderem dem Schutz vor gefährlichen Fressfeinden, wie dem Motorrad – ebenfalls ein Rädertier – gilt, da diese ansonsten Geruchsspuren Neugeborener sofort aufzunehmen beginnen würden.

Die Gruppe gebärender Mütter löst sich auch schon nach kurzer Zeit wieder auf und hinterlassen pro tragendem Weibchen 2 – 5 Dreiräder, welche zunächst noch in Gruppen umherzuziehen beginnen, jedoch mit wachsendem Alter immer solitärer werden. Subadulte Velozipede sind sodann vollkommene Einzelgänger, welche sie bis zur Paarungszeit bleiben.

Den Zustand von gemeinsamem Zusammenleben können hier nur wieder die Symbionten liefern, indem sie ein geeignetes Millieu für eine Koexistenz zweier Velozipede schaffen, etwa genügend Weidefläche.

Somit ist nun ein weiterer Beitrag zur Erforschung der dem Menschen so wichtigen Velozipede durch neue Erkenntnisse im Bereich der Fortpflanzung geliefert worden. Ich hoffe sehr, dass Ihnen dieser Aufsatz einen gelungenen Leitfaden für ein besseres Verständnis dieser Komplexen Organismen liefert und Ihnen diese Tiere ein wenig näher brachte, auch wenn die Lebensweise der Velozipede zunächst ein wenig skurril anmutet.

(Skurril mutet auch der Umstand an, dass die Grundlage für diese Erkenntnisse Möbel bilden, die es miteinander treiben.)

P.S.: Heute vor 4 Jahren wurde ich konfirmiert.😀

Eine Antwort to “Über die Fortpflanzung des Velozipeds”

  1. jan308 said

    Wow, Exzellent😀

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