Von brüllenden Magyaren

10. August 2009

Seit die Ferien angefangen haben, mache ich es mir zur Angewohnheit meine Aktivitätsphase bis in die Nacht zu verschieben, was einen ausgiebigen Schlaf bis ungefähr 12:00 Uhr mittags zur Folge hat.

Nun denn, aufgrund der aktuellen Wetterlage schlafe ich bei geöffnetem Fenster, sodass mich heute nacht ein aufgeregter Mob Ungarn unsanft aus dem Land meiner Träume gerissen hat. Unsere Lieben Freunde meinten nämlich, mit ihrem VW Transporter irgendwelche stundenlangen Rangierarbeiten auf dem völlig leeren Parkplatz gegenüber auf der anderen Straßenseite durchzufüheren. Selbstverständlich konnten sie (es waren mindestens 5 Personen) es nicht lassen sich mit Keif-/Grunz-/Brülllauten zu verständigen, was mir natürlich sehr missfiel.

Das ganze fing folgendermaßen an: Der Transporter fuhr mit dem aufgebrachten Haufen südosteuropäischer Steppenbewohner vor sich herjagend auf den Parkplatz, worauf eine hitzige Diskussion mit dem Fahrer entstanden sein muss. Jedenfalls hat es mich bereits an diesem Punkt auf grausamste Weise aus dem Schlaf gerissen. Ich war zwar müde, aber schon zu Beginn dachte ich mir, dass dieses sinnlose Herumgehampel wohl sehr lustig ausarten wird und ich positionierte mich – total übermüdet – am Fenster.

Aus der hitzigen Diskussion an und im Auto riss sich dann plötzlich ein kleiner, breitgebauter Ungar der unter der auf dem diffus ausgeleuchteten Parkplatz die Lage sondierte. Der Parkplatz war zu seiner Überraschung leer, sodass er voller Freude über den ganzen Parkplatz irgendwas zu seinen Landsleuten schrie. Ohne mit der Wimper zu zucken fuhr der Transporter los, ohne auf die ungarische Gesprächsrunde vor seiner Motorhaube acht zu geben, worauf jene unter lautem (wenn ich laut schreibe, meine ich auch laut … sehr laut!) Fluchen auseinanderstoben und teilweise sogar ihrem Auto hinterherspuckten. Der Volkswagen gab während seiner Fahrt (~30 Meter, leicht bergab) gurgelnde sowie scheppernde Geräusche von sich und die Hecktür öffnete sich durch das abrupte Bremsen des Fahrers, wodurch zig Töpfe, Schüsseln und diverse Lebensmittel aus dem Laderaum des Fahrzeuges auf den Parkplatz purzelten. Der Knall war gigantisch, was auch der neben dem Parkplatz residierende katholische Pfarrer mitbekommen haben musste, denn er kam den restlichen Ungarn, die zum Auto rannten um den Krempel wieder einzuräumen, hinterhergeschlurft. Der Katholikos begriff sofort, das er sich in der eindeutigen Unterzahl befand und mit seinen mangelnden Kenntnissen der ungarischen Sprache auch nichts ausrichten konnte und verschwand dann auch wieder im Dunkel der Nacht. Die Magyaren wurden durch die Katastrophe mit dem Gepäck natürlich noch aufgebrachter und zeigten ihren Unmut vor allem durch unverständliches, tiefes gutturales Gebrüll, was jedoch nicht an die Umwelt, sondern an den Fahrer und den dumm herumstehenden Lotsen gerichtet war. Nachdem die Bagage dann jeweils zweimal zusammengeklaubt, wieder heruntergefallen, ausversehen weggekickt und dann erneut eingeladen worden ist, beschloss der kleine, breit gebaute Lotse, dass der Parkplatz auf dieser Seite ja eigentlich total ungeeignet für so einen verrosteten und quietschenden VW sei und wies seine Landsmänner laut schreiend und fuchtelnd darauf hin, dass er den Wagen woanders haben möchte (jedenfalls konnte ich das so aus seinen wilden Gesten deuten). Das gefiel dem Rest der Meute natürlich nicht und sie trollten sich in das innere des Transporters, worauf jener auf einmal anfing heftig hin- und herzuwackeln. Daraus schloss ich auf einen kleinen Konflikt mit dem Fahrer hin, der wohl dem Lotsen seinen Spaß gönnen wollte. Jedenfalls ließ der Herr am Lenker die Handbremse los, sodass der Rest vom Fest vor Angst aus dem Auto hetzte und dabei wieder etwas Ladung auf dem Parkplatz verteilte. Das wahr ihnen jedoch egal, da der Wagen sich nun mit einem Affenzahn rückwärts quer über den Parkplatz bewegte und unsanft durch einen Bordstein an der gegenüberliegenden Seite aufgefangen wurde. Das hatte ein Geräusch von berstendem Aluminium zufolge, was aber niemanden groß zu beunruhigen schien; offenbar eine gängige ungarische Methode rückwärts fahrende Autos abzubremsen. Beladen mit undefinierbarem Krempel kam dann auch die restliche Delegation samt Lotsen am Auto an und wiesen den total verstörten Fahrer aus dem Auto um ihn nun endlich mal zur Rede zu stellen. Dabei wurde er in die Mitte eines so genannten Mobbingkreises gestellt, es wurde auf ihn eingeredet eingebrüllt und einige Metallstangen, gusseiserne Pfannen und Töpfe sind ihm vor die Füße geworfen worden. Der Fahrer find dann an hysterische Laut mit seinem mächtigen Stimmorgan zu erzeugen wurde aber vom Lotsen, der sich wohl als eigentlicher Täter bekannte, zum schweigen gebracht. Ein offensichtlich sehr aufmerksamer Ungar wies auf den Schaden am Auto hin, der dann von einem wohl handwerklich mehr begabten und leicht angegrauten Ungar zurechtgeklopft wurde. Ja, wirklich! Mitten in der Nacht klopft ein Ungar irgendwelche Beulen aus einem uralten VW Transporter!!! Leider war dann das Spektakel auch schon vorbei, als eine dicke Portugiesin, welche in der Nachbargasse wohnt, den Herren Feuer unterm hintern machte und sie samt Auto vom Platz jagte. Der Wagen fuhr mit quietschenden Reifen Richtung Innenstadt, um kurz darauf wieder zum Parkplatz zurückzukehren. Nun machten die wohl sehr erschöpften Ungarn Feierabend und legten sich im Auto schlafen. Ich tat es ihnen gleich und legte mich ebenfalls schlafen. Zur Kontrolle bin ich um 8 Uhr morgens noch einmal aufgestanden und musste mit erschrecken Feststellen, dass die Ungarn verschwunden waren, aber eine Menge Müll auf dem Parkplatz hinterlassen haben.

Auf jeden Fall sitze ich nun total übermüdet an meinem Mac und schreibe diesen Blogeintrag. Wahrscheinlich werde ich mich wohl gleich wieder schlafen legen…

3 Antworten to “Von brüllenden Magyaren”

  1. martin2110 said

    sehr anschaulich, gut geschrieben ^^

  2. jan308 said

    genial xD

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